DOJO-Etikette

(Benimm-Regeln in einem Dojo)

 

Ihr habt Euch entschieden, eine alte japanische Kampfkunst zu erlernen, die tief in der Geschichte und in Traditionen verwurzelt ist. Sie wird seit vielen Jahrhunderten betrieben und wurde in ihrer ursprünglichen Form von den Samurai entwickelt. Betritt ein Budoka (jemand der Kampfsport betreibt) ein Dojo (Trainingsstätte), so verbeugt er sich (Gruß). Er bringt damit zu Ausdruck, daß er das Dojo und seine Mitglieder respektiert und sich den Ordnungen und Regeln des Budosport unterwirft.

Ihr solltet Euch um die Sauberkeit im Dojo und in der Halle bemühen (keinen Müll herumwerfen und benutzte Trainingsgeräte wieder aufräumen). Die Matten betritt man nicht mit Schuhen, sondern barfüßig und in einem sauberen und ordentlichen Judogi (Judoanzug). Saubere Hände und Füße, sowie kurzgeschnittene Nägel (Verletzungsgefahr) dürften selbstverständlich sein. Saubere Kleidung und der richtige Gürtel je nach Kyu- (Schüler) oder Dan-Grad (Meister) gehören auch zum ordentlichen Erscheinungsbild eines Budoka.

Lange Haare sollten zusammengebunden werden (dies taten auch die Samurai). Zur eigenen Sicherheit müssen alle Schmuckstücke (Ketten, Armbänder, Uhren, Ringe, Ohrringe) vor dem Training abgelegt werden, da durch sie schwerste Verletzungen verursacht werden können. Außerhalb der Matte tragen wir Schuhe oder Sandalen (Zoris), um keinen Schmutz auf die Matten zu tragen. Das Dojo ist ein Ort der Ruhe. Beim Betreten der Matte verbeugt sich jeder Trainingsteilnehmer am Mattenrand. Er bekundet damit, daß er nun bereit ist, am Training teilzunehmen.

Alle Trainingsteilnehmer stellen sich zum Angrüßen auf der Matte gegenüber dem Lehrer auf, wenn dieser (Sensei) die Matte betritt. Der höchstgraduierte Kyu- oder Dan-Grad steht ganz rechts (vom Sensei aus gesehen links). Die anderen Trainingsteilnehmer stellen sich in absteigender Gürtelfarbe an seiner linken Seite auf. Der Lehrer (Sensei) kündigt "Seiza" (üblicher Judositz), "Zazen" (Joga-Meditationssitz) oder "Ritsu-rei" (Gruß im Stand) an. Bei "Zazen" und "Seiza" knien alle zur ruhigen Einstimmung auf das bevorstehende Training ab.

Der Oberkörper ist aufrecht, die Hände ruhen auf den Oberschenkeln, der Atem geht automatisch ruhig. Bei "Ritsu-rei" bleiben alle stehen. Dann erklärt der höchstgraduierte Kyu- oder Danträger auf der Schülerseite "Mokuso" (frei für "Meditation / Konzentration"). Alle Teilnehmer schließen nun die Augen und bereiten sich geistig auf das Training vor. Nach dem Ruf - auch vom Höchstgraduierten auf der Schülerseite - "Jame" (jap. Stop oder Ende) oder "Mokuso Jame" öffnet man die Augen wieder.

Es folgt der Ruf "Sensei ni rei" (jap. Gruß zum Lehrer), worauf sich alle im Sitz (bei Ritsu-rei im Stand) verbeugen. Man legt bei der Verbeugung im Seiza oder Zazen die Hände vor den Knien auf die Matte (Handfläche nach unten), beugt den Kopf und den Oberkörper vor (nicht mit der Stirn die Matte berühren, sondern ca. 10 cm über der Matte bleiben). Wenn sich alle Trainingsteilnehmer wieder zum Sitz aufgerichtet haben, erhebt sich zuerst der Sensei, dann stehen alle Schüler auf und machen eine Verbeugung (dieses Angrüßen wird in diversen Dojos zum Teil verschieden durchgeführt).

Nach dem Aufstehen erfolgt der Gruß "Yoseki ni rei" oder "Shomen ni rei" (Gruß zum Ehrwürdigen). Im Judo und Jiu-Jitsu ist dies in aller Regel Jigoro Kano, dessen Bild in fast allen Dojos (für Judo oder Jiu-Jitsu) hängt. Kommt jemand zu spät zum Unterricht, so meldet er sich beim Trainer und entschuldigt sich. Der Trainer muss wissen wer am Training teilnimmt, damit er merkt, wenn jemand fehlt. Grüßt die Gruppe gerade an, so wartet man bis sie fertig ist. Nie die Matte betreten wenn, angegrüßt wird.

Während des Trainings macht jeder Teilnehmer so gut er kann mit und trainiert nach den Maßgaben des Trainers. Vor und nach dem üben einer Technik verbeugen sich die Partner zueinander (nicht bei jeder einzelnen Technik, sondern je "Trainingsblock"). Ein Trainingsteilnehmer darf während des Trainings das Dojo nicht einfach verlassen, sondern muss unbedingt den Lehrer oder einen Betreuer verständigen, damit dieser den Sachverhalt kennt und notfalls eingreifen kann, wenn ein Trainingsteilnehmer wegen einer Verletzung oder Übelkeit von der Matte gehen muss.

Muss man eine kleine Pause einlegen oder wird vom Lehrer eine Technik gezeigt, so setzt man sich am Mattenrand im "Seiza" (Judositz) oder "Zazen" ab, um die anderen nicht zu stören. Muss man die Matte während des Trainings verlassen, so zieht man immer seine Schuhe an.Die Fortgeschrittenen dürfen nie vergessen, dass ihr Verhalten massgebend ist für das Verhalten der Anfänger und damit für die ganze Trainingsatmosphäre.Am Ende des Trainings folgt wieder eine Grusszeremonie wie an dessen Beginn.

Alle Trainingsteilnehmer lassen in der Meditationsphase das vergangene Training nochmals im Geiste vorbeiziehen. Nach dem Aufstehen verbeugen sich alle leicht im Stand zum Lehrer hin; die Teilnehmer bedanken sich dadurch für das Training, der Trainer bekundet seinen Dank für die Teilnahme am Training und für die Disziplin. Anschliessend verbeugen sich alle zu Shomen / Yoseki. 

Zum Schluss verbeugen sich die Trainingspartner zueinander, um ebenfalls ihren Dank auszudrücken und sich für eventuelle Schmerzen oder kleinere Verletzungen zu entschuldigen. Beim Verlassen der Matte grüsst man wieder am Mattenrand.Wenn Ihr Fragen zur Etikette habt, so könnt Ihr jederzeit einen der anwesenden Trainer befragen. Sie sind dazu da, dass Ihr sie fragen könnt!